{"id":1037,"date":"2012-11-18T20:18:39","date_gmt":"2012-11-19T04:18:39","guid":{"rendered":"http:\/\/upon2020.com\/blog\/?p=1037"},"modified":"2012-11-18T20:18:39","modified_gmt":"2012-11-19T04:18:39","slug":"in-memoriam-sr-alberta-volz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/upon2020.com\/blog\/2012\/11\/in-memoriam-sr-alberta-volz\/","title":{"rendered":"In Memoriam Sr. Alberta Volz"},"content":{"rendered":"<p><em>[This blog will stay English. This post is personal and an exception.]<\/em><\/p>\n<p>Am 29. Oktober starb Sr. Alberta Volz, die in meiner Schulzeit am St. Bonaventura-Gymnasium in <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Dillingen_an_der_Donau\">Dillingen an der Donau<\/a> f\u00fcr zwei Jahre meine Klavier- und sp\u00e4ter auch Musiklehrerin war. Die H\u00e4lfte der Welt ist on-line, aber Google findet auch \u00fcberhaupt nichts \u00fcber sie, die doch auf Generationen von Jugendlichen einen so gro\u00dfen Einfluss hatte. Das kann nicht sein. Deswegen schreibe ich diese Zeilen, wenn ich auch seit langem neun Zeitzonen entfernt zu Hause bin, und sie das letzte Mal vor 15 Jahren sah.<\/p>\n<p>Es muss in der nachmitt\u00e4glichen Klavierstunde in der achten Klasse gewesen sein. Ich hatte im Schulkonzert am Abend zuvor ein St\u00fcck auf der Geige gespielt, und wollte von ihr einen anerkennenden Kommentar h\u00f6ren. Den bekam ich wohl auch, habe ihn aber vergessen, weil sich der zweite Teil dessen, was sie sagte, so eingepr\u00e4gt hat: &#8220;&#8230;aber dein Ton hat mir \u00fcberhaupt nicht gefallen.&#8221; F\u00fcr einen Geiger, und einen Jugendlichen, so etwas von einem respektierten Lehrer zu h\u00f6ren, war vernichtend. Ich habe eine lange Zeit daran gebissen. Und nach \u00dcberwindung meines verletzten Stolzes habe ich schliesslich etwas entscheidendes gelernt, das mit mir geblieben ist:<\/p>\n<p>Direkt ausgeprochenes und unbesch\u00f6nigtes Feedback ist unglaublich n\u00fctzlich. Es ist hart, f\u00fcr den, der es sich anh\u00f6ren mu\u00df, und \u2013 wie ich sp\u00e4ter herausfinden mu\u00dfte \u2013 oft noch h\u00e4rter f\u00fcr den, der es ausspricht. Es ist so n\u00fctzlich, weil es Motivation schafft: Motivation, die &#8220;offensichtlich falsche&#8221; Meinung zu widerlegen, und Motivation, das Problem so gr\u00fcndlich zu l\u00f6sen, da\u00df niemals wieder einer so etwas sagen soll. Damit das nicht in Feindschaft ausartet, sind zwei Dinge unerl\u00e4sslich: der, der die Meinung ausspricht, mu\u00df unzweifelhaft kompetent sein, eine Meinung zum Thema zu haben. Und zweitens mu\u00df er auch kommunizieren, da\u00df er vollst\u00e4ndiges Vertrauen in die F\u00e4higkeiten des Empf\u00e4ngers hat, das Problem ohne gr\u00f6ssere Schwierigkeiten in den Griff zu kriegen. Als eine der wenigen, Sr. Alberta hatte beides.<\/p>\n<p>Dieses Vertrauen ist es, worin sich Generationen von Sch\u00fclern vielleicht am meisten an Sr. Alberta erinnern werden. Sie hatte diese unglaubliche, unersch\u00fctterliche Zuversicht in die Gut-heit der Menschen und des Lebens, die ansteckend war. Viele wurden einfach froher, wenn sie da war. Ich kann mich noch an viele Schultage erinnern, an denen vieler meiner sonst nicht besonders an der klassischen Musik interessierten Mitsch\u00fclern das gemeinsame Singen einiger Schubert&#8217;scher Kunstlieder der H\u00f6hepunkt des Schultages war. Man stelle sich das einmal vor. Auch die Atheisten hatten niemals einen Einspruch, wenn sie ab und zu pl\u00f6tzlich alle zum Gebet aufforderte, einfach weil der Tag ein sch\u00f6ner war. Das war ihre Ausstrahlung, eine Ausstrahlung, die wenige Menschen je besitzen, und, wie ich auch von meinen damaligen Mitsch\u00fclern weiss, einen grossen, oft lebenslangen Eindruck machte.<\/p>\n<p>Einmal kam ich ihr in die Quere, als sie uns in der Oberstufe die Sonatenform anhand der kleinen C-Dur Mozart-Klaviersonate erkl\u00e4ren wollte, und ich im Unterricht so lange auf sie einredete, bis sie mich den ersten Satz f\u00fcr die Klasse an ihrer Stelle vom Blatt spielen lies. (Das war leicht unversch\u00e4mt, und eine gro\u00dfe M\u00f6glichkeit, mich vor meinen Klassenkameraden und ihr zu blamieren, lief aber ohne Katastrophe ab, wenn ich mich richtig erinnere. Sie sagte hinterher nur: &#8220;ich bin mir sicher, wenn Du das ge\u00fcbt h\u00e4ttest, h\u00e4ttest Du es noch sch\u00f6ner gespielt.&#8221; Womit sie recht hatte, aber ich hatte ja nicht gewusst, dass ich das tun w\u00fcrde.)<\/p>\n<p>Von ihr habe ich gelernt, direktes und unmissverst\u00e4ndliches Feedback zu geben und zu empfangen. Nur viel sp\u00e4ter fand ich, dass es eine wichtige Kompetenz f\u00fcr Manager ist. Jedesmal, wenn ich selber Feedback gebe, denke ich dabei an sie, und wie sie es verstand, ihr Vertrauen in meine F\u00e4higkeiten trotz der Kritik gleichzeitig mitauszudr\u00fccken. Das ist deutlich schwieriger als einen Sonatensatz vom Blatt zu spielen! Welche Lektionen seiner Klavierlehrerin in einem nach all den Jahren am meisten h\u00e4ngen geblieben sind! Aber obwohl ihr vom Orden erstellter Nachruf die Musik in den Mittelgrund stellt, und wie ich von meinen Klassenkameraden weiss, war sie viel mehr noch als eine Musiklehrerin: sie war ein Leitbild, ein Beispiel von Glauben an die Welt und das Gute und die F\u00e4higkeiten der Menschen. Sie hat viel in uns allen hinterlassen.<\/p>\n<p>Requiesce in pace, Sr. Alberta. Danke.<\/p>\n<p>[Und falls dies einer meiner Lateinlehrer lesen sollte: ist das die korrekte Verbform? Ich hoffe doch&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[This blog will stay English. This post is personal and an exception.] Am 29. Oktober starb Sr. Alberta Volz, die in meiner Schulzeit am St. Bonaventura-Gymnasium in Dillingen an der Donau f\u00fcr zwei Jahre meine Klavier- und sp\u00e4ter auch Musiklehrerin war. 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